Unser Konzert

Chor meets Blech – geistliche Abendmusik

Unter das etwas ungewöhnliche Thema „Chor meets Blech“ stellte der Chor der katholischen Erlösergemeinde sein diesjähriges Konzert, dass er zusammen mit einem Blechbläserensemble unter der Leitung von Peter Malangré gestaltete. Eröffnet wurde das Konzert durch das fulminante Orgelspiel von Christoph Strieder mit einer Fanfare von Craig Sellar Lang. Ein beeindruckendes Werk, welches aber auch die Orgel an ihre klanglichen Grenzen führte. Danach stellte sich das „Blech“ mit einer „Canzone für 5“ (Blechbläser) von Giovani Gabrieli vor, einer der ältesten schriftlich überlieferten Instrumentalkompositionen. Mit dem Titel „Canzone“ (italienisch = Lied) wird angedeutet, dass sich dieses Musikstück an dem (Chor-) Lied und im speziellen an der Motette orientiert, bei der unterschiedliche Motive nach- und nebeneinander von verschiedenen Stimmen dargestellt werden, hier sind es die fünf Blechbläser: die Trompeten, gespielt von Jorge Herrada und Jesus Lopez, das Horn von Moritz Haas, die Posaune von Jacob Borggrefe und die Tuba von Niklas Horn. Das Ensemble zeigte sich gut aufeinander abgestimmt, so dass die einzelnen Motive des Stückes deutlich hörbar waren und für eine gute Transparenz und Durchsichtigkeit in dem kanonartigen Stück sorgten. 

In seinem geistlichen Impuls zitierte Pater Piotr, der Pfarrer der Erlösergemeinde, den Kirchenlehrer Athanasius von Alexandrien, der im vierte Jahrhundert lebte. Dieser war davon überzeugt, dass alles aus der Hand Gottes stammt und sich durch den Schöpfer alle Dinge zu einer göttlichen Harmonie fügen. Diese ist zu sehen in der Dreifaltigkeit Gottes, denn Gott sei die Gemeinschaft der drei göttlichen Personen im vollkommener Harmonie und Liebe. Auch sieht er die göttliche Harmonie in der Musik und vergleicht sie mit dem Stimmen einer Laute. So wie beim Stimmen einer Laute alle Saiten zu einem harmonischen Klang miteinander verbunden werden, so verknüpft die Weisheit Gottes die Dinge in der Welt miteinander und sie fügen sich zu einer wahrhaft göttlichen Harmonie. Diese Harmonie sieht Athanasius auch in einem Chor, in dem jedes Mitglied nach seiner Natur und Fähigkeit singt und sich so unter der Leitung des Dirigenten eine Harmonie bildet. So werden durch das kraftvolle göttliche Wort die Dinge der Welt, bei denen jeder das seine tut, in Ordnung gehalten und bilden zusammen den einen Kosmos.

Es folgt von Heinrich Schütz „Dank sagen wir alle Gott“ für Chor, Bläser und Basso continuo, bei der Schütz auch seine Studien über Gabrieli’s Chorkunst zum Klingen bringt. Ein sehr beeindruckendes Musikstück, bei dem allerdings die Bläser gegenüber dem Chor etwas dominant waren. Anschließend präsentieren die Blechbläser noch zwei Werke, das berühmte Halleluja von Georg Friedrich Händel und das „Postludium“ für Bläser von Anton Bruckner. Es folgte die Vertonung des achten Psalmes im spätromantischen Stil von Josef Kromolicki, einem deutsch-polnischen Kirchenkomponisten. Die Vertonung schlängelt sich entlang einer Melodielinie, gesungen vom Chor und der warmen und klaren Sopranstimme von Karin Malangré, begleitet von den chromatischen Harmonien der Orgel. Zur Steigerung von Effekten und zur Akzentuierung der fulminanten Höhepunkte kamen die Blechbläser zum Einsatz und auch der präzise und impulsive Paukenschlag von Clemens Krauß, wodurch die Effekte nochmals gesteigert wurden. Anschließend folgt eine „Fanfare with Promenade“ von Rosalie Bonighton, welche von Christoph Strieder an der Orgel souverän dargeboten wurde.

Neuestes und wohl auch zentrales Werk der geistlichen Abendmusik stellte die „Missa Brixinensis“ von Stefan Trenner dar, eine Auftragskomposition für den Verband der Kirchenchöre Südtirols (Uraufführung 2011 in Brixen). Ein Stück mit unterschiedlichen Charakteren und Stilrichtungen -von rhythmisch-betont bis balladenartig. So findet man im Kyrie sowohl ein rhythmisch prunkvolles „Kyrie eleison“ als auch ein einfühlsames und zartes „Christe eleison“. Im Gloria werden Assoziationen an die mittelalterliche Musik Palästinas geweckt, im Sanktus sind Klänge von Alpenidylle zu hören. Beeindruckend ist das im Gospelstil beginnende Agnus Dei, welches im jubilierenden und für die heutige Zeit auch appellierenden „Dona nobis pacem“ endet. Während des ganzen Konzertes präsentierte sich der Chor der Erlösergemeinde stets intonations– und textsicher und hat die Musikstücke aus den unterschiedlichen Epochen und Stilrichtungen exzellent wiedergegeben, was sicher auch der qualifizierten Leitung von Peter Melangré zu verdanken ist. Abschließend lässt sich sagen, dass der Chor – in dem auch mehrere begeisterte jugendliche Sänger zu finden sind – dem Publikum auch eine Botschaft übermitteln konnte, die nicht auf dem Programm stand: „Singen macht Spaß!“

Text und Fotos: Thomas Borgelt